Warnungen hinsichtlich der E-Mobilität

Warnungen hinsichtlich der E-Mobilität

An die
Volkswagenwerk AG
Wolfsburg

Betr.: Ihre Warnungen hinsichtlich der E-Mobilität

Sehr geehrter Herr Diess,

erlauben Sie mir eine kurze Stellungnahme zum Thema.
Ihre Äußerungen zur bedrohlichen Lage der deutschen Autoindustrie stellen unmißverständlich dar, um was es geht:
Um die Existenz eines der bedeutendsten Industriestandorte der Welt.

Umso bedauerlicher muß erscheinen, daß in Brüssel eine Kaste selbsternannter Menschheitsretter oder sagen wir: ÖKO-Revolutionäre sich erlaubt, über so weitreichende und grundsätzliche Fragen zu entscheiden, ohne daß die beteiligten Sozialpartner sowie die nationalen deutschen Parlamente dazu befragt worden sind, ob eine solche "Umweltpolitik" denn zulässig sei. Und auf die Beteiligung kritischer unabhängiger Fachleute und Organisationen wurde schon garnicht geachtet.

Überhaupt muß es fragwürdig erscheinen, wenn an Brüsseler Schreibtischen willkürlich erdachte Abgaswerte festgelegt werden, deren Berechtigung weder aus technischer noch aus medizinischer Sicht abgesichert ist und die sich letztlich auch logischer Grundlage entzieht. Mir erscheint das Ganze als Phantasmus-Ideologieprojekt von Personen, die weder verantwortlich denken und fühlen noch von Sachverstand getragen sind. Jeder durchschnittlich Gebildete kann sich an fünf Fingern abzählen, daß elektrisch angetriebene Autos vom Wirkungsgrad viel schlechter dastehen, als solche, die durch die Verbrennung fossiler Kraftstoffe angetrieben werden.

Die elektrische Energie muß weiterhin aus fossil betriebenen Kraftwerken kommen, die allein zuverlässig sind - also keine Windräder oder Solarzellen, so gut diese als Ergänzung sein mögen. In den Verbrennungskraftwerken aber treten sehr hohe Umwandlungsverluste auf (Wirkungsgrad nur ca. 30 bis 40%).
Dazu kommen Übertragungsverluste durch die Leitungsnetze (Ohmscher Widerstand) sowie durch das Heruntertransformieren und die Gleichrichtung von Wechselstrom zu Gleichstrom an den Ladestationen. Es würde mit E-Autos also auch weiter mit fossiler Energie gefahren, nur über einen kostenträchtigen und viel verlustreicheren Umweg. Dazu kommt die Rohstofffrage bezüglich der Akkumulatoren, die mengenmäßig garnicht gelöst ist.
Man erkenne daran, mit welch sinnlosen und unausgegorenen Versuchen an die Frage einer sogenannten ökologischen Mobilität herangegangen wird, weil an den entsprechenden Schaltstellen der Macht keine Fachleute sitzen.

Wollen wir diesen Damen und Herren in ihren Wolkenkuckucksheimen auch weiterhin überlassen, über unsere Arbeitsplätze zu entscheiden, indem sie ideologisch begründete und damit verantwortungslose Politik betreiben?

Volkswagen als Großunternehmen mit besonderer volkswirtschaftlicher Verantwortung obliegt es m.E., den sogenannten Strukturwandel in Frage zu stellen. Wir müssen uns keineswegs sogenannten Strukturen und Entwicklungen unterordnen, die im Grunde nichts weiter als ein technologischer Rückschritt sind.

Wenn sich in den letzten Jahren Verbesserungen in der Akku-Technik durch die Anwendung neuer chemischer Grundstoffe (z.B. Lithium) und effizienterer elektrischer Ladetechnik (sogenannte Schaltnetztechnik) ergeben haben, so ist dies zunächst eine Errungenschaft der Welt der Elektronik. Und wenn sich ein US-amerikanischer Hersteller wie TESLA mit einem Versuchsprojekt eines elektrisch angetriebenen Sportwagens in den Markt gewagt hat - inzwischen stagniert das Ganze ja schon - dann muß deswegen nicht die gesamte deutsche Autoindustrie verrückt werden und Gewehr bei Fuß stehen und sagen: Jawohl, das übernehmen wir.

Und wenn sich ein paar unverbesserliche, technisch ungebildete Träumer aus den sogenannten grünen Parteien - trotzigen Kindern gleich - hinstellen und nach Elektrospielzeug schreien, dann müssen wir als verantwortlich Handelnde in der Automobilindustrie diesem Treiben ebenfalls nicht nachgeben, auch wenn führende Regierungskreise und gewisse Pressemedien diesen abstrusen Vorgängen Beifall zollen. Und VW muß sich auch nicht durch die sehr seltsam anmutenden Machenschaften der sogenannten "Deutschen Umwelthilfe" einschüchtern lassen, die regierungsamtliche Unterstützung (gegen die deutsche Autoindustrie !) bekommt. Ebenfalls Ideologen.

Ich hoffe also, daß Sie als neuer VW-Vorstandsvorsitzender die Realität und die ureigenen deutschen Interessen verfolgen, stärker - als dies ihre Vorgänger getan haben statt in die überall aufgestellten Fallen zu gehen.

MfG
Ulrich F. Sackstedt
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